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aus der Märkischen Oderzeitung vom 27. Vovember 2009

Marxdorf (MOZ) Aus dem Marxdorfer Reiterhof soll ein deutsch-polnischer Integrationshof werden, auf dem Familien mit schwerstkranken Kindern Urlaub machen und Ferienlager für Kinder mit und ohne Handicap stattfinden. Die Vierlindener Gemeindevertreter haben dem Projekt des Vereins Häusliche Kinderkrankenpflege Brandenburg, der den Pferdehof in diesem Jahr erworben hat, ihre Zustimmung gegeben. Die Baugenehmigung für den Neubau von vier und den Um- und Ausbau von zwei vorhandenen Gebäuden ist eingereicht. Für den mit rund 1,3 Millionen Euro veranschlagten Bau sollen EU-Fördermittel fließen.

Von Ines Rath

" Aus unserem täglichen Erleben in Familien mit schwerstkranken Kindern wissen wir: Auch sie brauchen mal Urlaub - und zwar mit ihren kranken Kindern. Das ist in Brandenburg aber kaum irgendwo möglich " , sagt Sabine Bandekow. Sie ist die Vorsitzende des Vereins Häusliche Kinderkrankenpflege Brandenburg. Die meisten der etwa 30 Mitglieder des Vereins sind hoch qualifizierte Pflegekräfte, die schwerstkranke, oft dem Tod geweihte Kinder in ihrem häuslichen Umfeld medizinisch versorgen und betreuen. Seit etwa drei Jahren ist der Marxdorfer Reiterhof der Sitz des Vereins. In diesem Jahr hat er das Areal auch erworben.

Deshalb konnten Sabine Bandekow und ihre Mitstreiterinnen weiter denken - und haben das bereits getan: Sie wollen aus dem mehr als 12 000 Quadratmeter großen Areal an der Marxdorfer Dorfstraße, schräg gegenüber der Kirche, einen deutsch-polnischen Integrationshof machen.

Die Idee komme nicht von ungefähr, sagt Sabine Bandekow. " Über unsere Arbeit mit sterbenden Kindern haben wir vor etwa zwei Jahren das Hospiz in Gorzow kennengelernt, mit dem sich eine rege Zusammenarbeit entwickelt hat " , berichtet die Marxdorfer Vereinschefin. Neben gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Fortbildungen, zum Beispiel in Sachen Medizintechnik zur Intensivpflege, gab es in diesem Jahr erstmals ein Ferienlager für 18 polnische Voll- und Halbwaisen in Marxdorf. Die Mädchen und Jungen seien begeistert gewesen. Interesse an einer Kooperation habe zudem die polnische Stadt Gubin erklärt, so Sabine Bandekow. Die Stadt verfüge über ein behindertengerechtes Freibad.

Was genau verbirgt sich aber nun hinter dem Projekt deutsch-polnischer Integrationshof? Zum einen gehe es um ein Ferienangebot für Familien mit intensiv pflegebedürftigen Kinden. Zum anderen sollen Kapazitäten für Ferienlager für Kinder mit und ohne Handicap geschaffen werden, umreißt Sabine Bandekow das Hauptanliegen. Außerdem könnten in Marxdorf dann Schulungen zur Intensivpflege mit deutschen und polnischen Teilnehmern stattfinden, meint sie.

Für all das sind weitere Bauten auf dem Marxdorfer Areal nötig, auf dem sich bisher der große Komplex aus Reithalle, Boxen-Stall, Café und Büroräumen im Obergeschoss, ein Pensionshaus und zwei derzeit nicht genutzte Ställen befinden.

Für den Integrationshof sind der Neubau von vier Gebäuden und der Um- und Ausbau der beiden ungenutzten Stallanlagen vorgesehen. Neu gebaut werden sollen zum einen ein Intensivpflegebereich mit sechs Patientenzimmern und einem separat zugänglichen Konferenzraum im Dachgeschoss. Ebenfalls zweigeschossig wird das neue Ferienlager-Haus für insgesamt 34 Kinder, in dessen Dachgeschoss auch zwei kleine Wohnungen für Betreuer vorgesehen sind. Geplant sind eine Unterstellhalle für landwirtschaftliche Geräte und eine Futter- sowie eine Strohlagerhalle.

Für die Unterbringung der Familienangehörigen der pflegebedürftigen Kinder sollen eines der vorhandenen Stallgebäude komplett um- und ausgebaut werden. In dem Feldstein-Ziegel-Bau werden sechs kleine Ferienwohnungen sowie ein Sauna- und Fitnessbereich entstehen. In dem anderen Stallgebäude sollen Thrapie-Pferde und Reitzubehör sowie eine Werkstatt untergebracht werden. Die Kosten für das gesamte Vorhaben hätten Experten vorsichtig auf rund 1,3 Millionen Euro geschätzt, sagt Sabine Bandekow.

Ihr Verein will Fördermittel aus dem Interreg-IV-Programm der EU beantragen. Mit einer Realisierung rechnet die Vorsitzende des Vereins Häusliche Kinderkrankenpflege Brandenburg frühestens 2011. Gebaut würde dann auch in Etappen, so Bandekow. Den Bauantrag hat der Marxdorfer Verein inzwischen schon eingereicht.

Die Vierlindener Gemeindevertreter haben das Projekt in ihrer Beratung am Mittwochabend in Alt Rosenthal einstimmig befürwortet. Auch wenn in der Diskussion dazu Skepsis anklang. Doch alle Abgeordneten schlossen sich dem Marxdorfer Ortsvorsteher Martin Wilde an, der sagte: " Wenn es klappt, wäre das toll! "

Pferde sollen auf dem in den 90-er Jahren von einem Investor aus Frankfurt (Oder) erbauten Marxdorfer Reiterhof auch weiterhin zu Hause sein, versichert Sabine Bandekow. Und zwar nicht nur zu Therapiezwecken. Auch Pensionspferde und sogar eine eigene Pferdezucht soll es geben, sagt sie.



Freitag, 27. November 2009 (05:44)

(c) 2010 Häusliche Kinderkrankenpflege Brandenburg e.V